!! Dieses Jahr immer noch top-aktuell !!
- TWO/ONE auf und als CD -
ab jetzt im Handel
oder direkt als Bestellung per Mail an post[at]benjaminleuschner.de
!? Was zu lesen ?!
* Stilistisches Esperanto.
Zwei Schlagwerker machen aus zwei musikalischen Welten eine *
Benjamin Leuschner & Matthias Goebel
von Stefan Pieper. Jazzthetik 2012
Glücklich sind Matthias Goebel und Benjamin Leuschner, dass auf ihrer Debüt CD Two/One zwei Welten eins geworden sind und dabei die gemeinsame Wuppertaler Studienzeit und viele weitere Erfahrungen zu einem künstlerischen Fazit finden. Dabei wollen die beiden Schlagwerker ihr Künstler-Ego gar nicht überbewertet wissen. Geht es Ihnen doch in jedem Moment darum, der Musik zu dienen.
Vielleicht kommt ihre Musik gerade deswegen so unprätentiös, ja durchgehend lyrisch und persönlich daher. Obwohl sehr konträr, wirken alle Stücke regelrecht durchkomponiert, erzeugen einen ruhigen Fluss voll lyrischer Intimität. Die beiden Musiker mit ihrem Instrumentarium aus Marimba- und Vibraphonen sowie allerhand weiterer Perkussion nebst Klavier und Live-Elektronik werden zu einem organischen Ganzen. Mit Titeln von Piazzolla, Steve Reich, Chick Corea und einer Neuinterpretation des "Mediterranean Sundance" von Paco de Lucia und Al di Meola sind einige der Lieblingsstücke aus der Studienzeit präsent. Und neue, wesentlich freier gehaltene Eigenkompositionen markieren hellhörige Gegenwart und den Aufbruch in eine Zukunft, die sich Leuschner für dieses Duo noch "lebenslang" erhofft.
Das alles wirkt dramaturgisch durchdacht bei gleichzeitig kluger Ökonomie der gestalterischen Mittel. Matthias Goebel zum eigenen Ideal: "Wir wollen Musik interpretieren und die unendliche Weite von Klängen vermitteln und ziehen hierfür keine Grenzen. Wir nehmen aus allem das raus, was uns gefällt. Ob Jazz, Klassik, Neue Musik – alles kann einfließen in ein stilistisches Esperanto."
Aber dahinter steht ein dezidiertes Konzept. An den Mallet-Intrumenten liebt Matthias Goebel die Schnittstelle zwischen perkussiven und melodiösen Elementen. Bei David Friedman hat er vor allem den Umgang mit Musik gelernt: "Der Habitus hinter einer Musik wurde mir klar. Das hat mich darin bestärkt etwas Eigenes zu machen." Stefan Bauer hingegen hat ihm vor allem das Hören vermittelt: "In meiner Zeit in New York sind mir die Ohren geöffnet worden."
Das Spiel im Duo lebt von einer langjährigen gewachsenen Symbiose, wie Benjamin Leuschner betont: "Matthias ist bei uns der Melodiker, der sich auch auf jazzbasierte Harmonik versteht. Ich komme mehr aus Improvisation und Weltmusik und denke insgesamt struktureller und rhythmischer. Früher war so was manchmal Streitpunkt, heute ergänzen wir uns perfekt."
Über allem steht ein übergreifendes Klangideal. "Den Klang in seiner Bandbreite abzubilden, ist uns sehr wichtig bei dieser Produktion. Wir haben sämtliche Stücke in der Wuppertaler Immanuelskirche aufgenommen. Da gibt es viel natürlichen Hall, der unseren Sound so räumlich macht. Es sollte keine noch so differenzierte Nuance und Schwebung verloren gehen", betont Leuschner.
Aufgelockert werden Neuinterpretationen durch pulsierende Rhythmusstudien. Dabei lassen es die beiden Schlagzeuger auch brachial krachen. "Irgendwann war es auch ma soweit, den Schmiedehammer einzusetzen", assoziiert Matthias Goebel augenzwinkernd. Und wenn es um Rhythmik geht, liegt ihm nach wie vor der Jazz am Herzen. Es muss einfach swingen: "So wie bei den vielen Bands, die ich in New York gehört habe, das Ride-Becken unvergleichlich swingt. Dann ist es gut."